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Wie man effektiver lernt
Auswahl

Jedes Jahr erscheinen viele 10.000 Bücher, zu jedem Bereich gibt es unzählige Experten und der Seminarmarkt ist ebenfalls unüberschaubar. Wenn Sie nun in Ihrer persönlichen Entwicklungsplanung (mehr dazu im Unternehmersystem) ausgewählt haben, in welchen Bereichen Sie Unterstützung suchen, dann stellt sich die nächste Frage, wen Sie auswählen. Dabei gibt es einige Grundsätze.

Erstens: Wenn Sie zum Beispiel gerade ein Unternehmen gründen, irgendwann viele Mitarbeiter haben wollen und dafür einen Berater suchen, dann wählen Sie jemand, der auch schon ein Unternehmen gegründet und mindestens einige Mitarbeiter gehabt hat. Alle Berater, die kein eigenes Unternehmen mit mindestens 5 bis 10 Mitarbeitern hatten, scheiden aus.

Zweitens: Suchen Sie einen Spezialisten exakt für Ihren Bereich. Angenommen, Sie haben ein Franchisesystem und wollen die Kommunikation mit Ihren Franchisenehmern verbessern. Dann suchen Sie keinen Kommunikationstrainer allgemein, sondern einen Trainer für Kommunikation in Franchise-Systemen oder zumindest in vertikalen Vertriebssystemen. Solche Leute haben einfach auf Ihre Herausforderung zugeschnittene Erfahrungen, auf die Sie nicht verzichten können. Wenn Sie eine Bypass-Operation vor sich haben, dann lassen Sie das auch beim Herzspezialisten machen und nicht bei Ihrem Hausarzt – obwohl der während seines Studiums auch mal gelernt hat, wie ein Herz aussieht. Zwar werden Sie im Gegensatz zu diesem medizinischen Beispiel vermutlich nicht sterben, wenn Sie nicht den passenden Spezialisten für Ihre Weiterentwicklung holen, aber vielleicht Ihre Firma.

Drittens: Wählen Sie den besten Experten, den Sie bekommen können. Aristoteles Onassis sagte: "Ich würde alles noch einmal so machen, wie ich es getan habe. Bis auf eine Ausnahme: Ich würde früher bessere Berater suchen." Egal wie teuer Berater sind: Wenn Sie Ziele haben, die groß genug sind, lohnen sie sich immer. Ein Beispiel: Sie wollen ein Unternehmen mit einem Umsatz von 100 Mio. € aufbauen. Ein exzellenter Berater hilft Ihnen dabei, nur ein Prozent besser oder schneller zu sein. Und ein Prozent ist lächerlich wenig. Wie groß ist Ihr Nutzen dann in Euro? Und wie wenig zahlen Sie selbst dem besten Berater? Wenn Sie da um 100 Euro feilschen, sind Sie als Unternehmer nicht geeignet.

Diskutieren Sie also niemals mit den besten Experten über den Preis. Außer vielleicht, um ihn zu testen, ob er es nötig hat. Wenn er auf Ihren Wunsch eingeht, ist es nicht der Beste

Viertens: Wählen Sie das Original und nicht die Kopie. Es erscheinen zwar jährlich mehrere zehntausend Bücher, aber nur einige Dutzend sind wirklich neu, originell und wichtig. Die anderen kopieren nur. Und in der Regel sehr schlecht. (bei Seminaren und Experten ist es dasselbe).

Das liegt einfach daran: Wenn jemand ein neues Konzept entwickelt, hat er es bis in sämtliche Tiefen durchdacht und für jede geschriebene Buchseite gibt es mindestens zehn weitere geschriebene Seiten, die aber nie veröffentlicht wurden. Ein Kopist kopiert deshalb immer nur die Spitze des Eisbergs. Wenn Sie also etwas im Bereich Persönlichkeitsentwicklung machen wollen, dann gehen Sie zu Anthony Robbins und nicht zur Trainerin Meier, die mal ein Buch über NLP und systemisches Coaching geschrieben hat. Bei Büchern finden Sie den Top-Experten ganz einfach durch einen Blick ins Literaturverzeichnis: Führt Anthony Robbins dort die Trainerin Meier als Referenz auf oder umgekehrt? Durch den Vergleich mehrerer Literaturverzeichnisse in Büchern zum selben Thema finden Sie immer die Autoren, die von allen zitiert werden. Das ist Ihr Mann oder Ihre Frau!

Wie finden Sie nun konkret jemand? Bei Büchern wie gesagt durch den Blick ins Literaturverzeichnis. Bei Seminaren entscheiden Sie nach der Bekanntheit des Referenten.

Und bei Experten sollten Sie sich am besten eine Empfehlung von jemand holen, der schon deutlich erfolgreicher ist als Sie. Natürlich können Sie auch jeden mittelmäßigen Experten auf einem bestimmten Gebiet fragen, welches der beste und erfolgreichste Experte in seinem Gebiet ist. Und dann gehen Sie zu dem erfolgreicheren. Wenn Sie das zwei oder drei Mal nacheinander machen, sollten Sie ziemlich sicher beim besten angekommen sein. Alternativ suchen Sie einfach jemand, der schon zu dem Thema etwas geschrieben hat und gehen dann vor wie bei den Büchern oder Seminaren.

Eins noch: Oft wird empfohlen, mehrere Anbieter in die Auswahl zu nehmen. Das halte ich – vorausgesetzt die obigen Grundsätze sind erfüllt – für Zeitverschwendung. Wenn Sie zu einem Problem einen exakt passenden Spezialisten finden, der zudem das Original ist, dann gibt es nur einen. Wieso wollen Sie dann Ihre Zeit verschwenden, um mit noch fünf anderen zu sprechen? Wenn Sie eine Audienz beim Papst bekommen, warum sollten Sie dann noch fünf Bischöfe oder Laienprediger prüfen wollen? In den meisten Unternehmen werden Entscheidungen viel zu langsam (und deshalb oft gar nicht) getroffen, weil man sich selbst mit viel zu viel Auswahl verwirrt.

Vorbereitung

Sie haben nun einen Experten, ein Seminar oder ein Buch gefunden. Wie bereiten Sie sich vor? Vier Punkte sind zwingend.

Erstens: Wenn wir auf etwas eingestimmt sind, nehmen wir es eher wahr. Wenn Sie einen roten Porsche 911 kaufen wollen, dann sehen Sie im Straßenbild auf einmal nur noch rote Porsches. Und Sie fragen sich verblüfft, wo die vorher alle waren. Dasselbe Prinzip können Sie sich bei Büchern, Seminaren oder Experten zu Nutze machen. Erstellen Sie eine schnelle Mindmap (max. 5 bis 10 Minuten) mit allem, was Sie zum entsprechenden Thema oder angrenzenden Gebieten wissen. Damit sind Sie auf’s Thema eingestimmt.

Zweitens: Erstellen Sie eine weitere schnelle Mindmap mit allem, was Sie zum Thema wissen wollen. Und warum Sie das wissen wollen. Damit wird Ihr Blick fokussiert. Beide Tipps kommen aus dem Speed-Reading und werden unter anderem von Tony Buzan, dem Erfinder der Mindmaps und dem Autor von einigen Dutzend Büchern (ich glaube, 70 oder 80 oder so…) empfohlen. Manche wollen diese 20 Minuten nicht investieren. Und nehmen dadurch weniger als die Hälfte dessen auf, was sie mit der Investition dieser Zeit aufnehmen könnten.

Drittens: Blocken Sie sich Zeit für danach. Mindestens im gleichen Umfang wie Sie für das Seminar, das Buch oder das Expertengespräch aufwenden. Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln (Aldous Huxley). Wenn Sie dafür keine Zeit einplanen, können Sie nicht handeln und könnten sich den Aufwand auch ganz sparen. Kennen Sie das? Da geht man zu einem tollen Seminar, bekommt viele neue Anregungen, „die man mal umsetzen müsste“, macht vielleicht sogar noch einen "Aktionsplan" und dann hat man schlicht vergessen, sich ein Zeitfenster unmittelbar nach dem Seminar einzuplanen, in dem man diese Anregungen umsetzen könnte. Und hinterher heißt es dann: Ach Seminare bringen ja doch nichts… Falsch! Wenn man Seminare auf die falsche Art und Weise besucht, bringt es nichts!

Viertens: Es gibt Studien, wie lange Wissen in unserem Gehirn verbleibt. Nach bereits vier Wochen ist es nur noch ein Bruchteil des Gehörten oder Gelesenen. Irgendetwas in der Größenordnung um die zehn Prozent. Wenn Sie das Gelesene oder Gehörte mit einer Quote von um die fünfzig Prozent behalten wollen, müssen Sie es lediglich zwei Mal wiederholen. Einmal im Abstand von einer Woche, ein weiteres Mal im Abstand von einem Monat. Zum Beispiel, indem Sie die Mindmaps nochmals durchgehen. Dafür müssen Sie jeweils nur etwa zehn Prozent des ursprünglichen Aufwands ansetzen. Mit anderen Worten: Für zwanzig Prozent mehr Aufwand bekommen Sie die fünffache Behaltensquote. Damit Sie das machen, müssen Sie diese Zeit ebenfalls fest einplanen, bevor(!) Sie das Buch lesen oder das Seminar besuchen.

Termin/ Lesen

Zum eigentlichen Termin ist nicht viel zu sagen. Entweder Sie lesen oder Sie besuchen ein Seminar oder Sie treffen den Experten. Versuchen Sie dabei Ihre Fragen so früh wie möglich zu stellen. Insbesondere in Seminarsituationen sollten Sie zu den ersten gehören, die reden. Sonst diskutieren Sie über die Fragen von anderen.

Als Aufzeichnungsart haben sich auch am ehesten Mindmaps bewährt. Ich selbst nutze Standard-Mindmaps, in denen meine Fragen, ein ToDo-Ast sowie ein „Querverweis und weitere Tipps“-Ast bereits enthalten sind. Damit habe ich jederzeit den Überblick, ob a) meine Fragen beantwortet wurden und b) ob das Wissen zum Handeln führt. Außerdem habe ich auf einen Blick die wichtigsten Hinweise, wo und bei wem ich das Thema weiter vertiefen kann.

Nachbereitung

Wenn Sie ein Buch zuschlagen oder aus einem Seminarraum gehen, ohne zuvor Ihren Planer aufgeschlagen zu haben, hätten Sie sich die Zeit sparen können. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, bei jedem Buch mindestens eine Handlung zu finden, wo ich etwas anders machen kann und mir diese Handlung in die während der Vorbereitung frei gehaltene Zeit zu legen (wenn mir keine Handlung einfällt, landet das Buch in meinen Zeitspar-Tipps auf meiner Website ;) Dasselbe gilt für Seminare und erst recht nach Gesprächen mit Experten.

Ebenfalls nochmals unmittelbar im Anschluss sollten Sie eine Mindmap mit den wichtigsten Inhalten erstellen, wenn Sie es noch nicht getan haben. Oder die erstellte Mindmap vervollständigen und nochmals wiederholen. Diese Mindmap verwenden Sie dann auch für die weiteren Wiederholungen im Abstand von einer Woche und einem Monat.

Dieses ganze Vorgehen ist mit etwas Zusatzaufwand verbunden. Deswegen machen es die meisten Menschen nicht auf diese Art und Weise. Mit der gewonnen Zeit besuchen sie dann lieber ein weiteres Seminar, das ihnen auch nichts bringt.

Mehr zum Thema erfahren Sie auch im Unternehmercoaching unter: http://www.unternehmercoach.com/...

Stefan Merath

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